Türen zum Sein

Türen zum Sein

(S.18)

Im matten Schein des nächtliches Mondes,
welche Weite.
Leuchtend verlieren sich die Sterne im Dunkel.
Die Ferne schaut durch sie herein.

Wortlos gelassen
lausch ich der Nacht.
Ganz nah singt eine Nachtigall.

 

 

(S.23)

Zur Nacht

Geliebte Mondin, lösche mein Herz,
daß es im Sehen nicht verbrennt.
Gib mir von deiner Milde Kraft,
daß mich der Schlaf mit ihr erkennt.

Voll sanfter Ruhe schaust du her,
gehorchend willig dem Geschick.
Du Königin der Erdennacht
bist leerer Spiegel meinem Blick.

So gib auch mich der weichen Nacht,
mich lassend vom Gebot der Zeit.
Im Schlaf von dir all ein bewacht,
schenk mir von deiner Leichtigkeit.

 

 

(S.28)

Nie war es so still
wie jetzt
wo der Wind verstummt.

Im hellsten Blau
da
der erste Stern.

 

 

(S.42)

Wenn ich drängend etwas von dir will,
das du mir nicht von dir aus geben magst,
falle ich aus der Mitte.
Ich entferne mich von dir,
während ich in deinen Raum eindringe.

 

 

(S.48)

Wir sind Türen füreinander
in die Unendlichkeit,
wo wir aufhören
und das Sein beginnt.

 

 

(S.73)

Laß mich gehen.
Laß gehen meine Wichtigkeit.
Wir lösen uns auf
wie heller Nebel am Morgen.

Was bleibt ist der Klang
der gelassenen Schritte.

 

 

(S.77)

Das Leiden
ist der Preis für das Ich.

 

 

(S.82)

Wenn ich loslasse,
was ich nicht habe,
habe ich das,
was mir gegeben ist.

 

 

(S.88)

Wind und Atem
entleeren den Geist.
Die Gedanken fliegen
wie Vögel befreit.
Geöffnete Fenster,
flüssiges Sein.
Der Weltenraum ist überall.
Was kann sich verlieren
im Nichts?

 

 

(S.89)

Wir sind so gefangen in unseren Gedankengängen,
daß wir es nicht bemerken.

 

 

(S.91)

Trau deinen Gedanken nicht.
Versuch nicht die Welt zu verstehen.
Laß dich tragen vom Atem ins Sein.

 

 

(S.111)

Vergänglichkeit

Dein Gesicht im Himmel
zwischen den Blättern.
Unsere Zeit ist beschränkt.
Verloren schon im Rausch der Tag,
bevor er je für uns bekannt.

Die Knochen zerfallen
im wesenden Fleisch.
Das Kind im Sarg,
wo ist dein Geist?

Langsam, noch eh du es begreifst,
hüllt ferne Dämmerung dich ein.
Verstummt der Glocke Grabgesang.
Die Zukunft ist Vergangenheit.

 

 

(S.112)

Abschied

Schon schimmert es herbstlich im frühen August.
Merkwürdig die Wehmut über dem Tal.
Als käme Abschied,
wenn die Früchte nicht reif.

Ist nicht immer Abschied?
Auch im Frühen schon.
Die gelbe Blüte mit grauem Haar.

Noch fliegen die Schmetterlinge zu zweit.
Noch träumt das Herz von der Zukunft fern.
Doch vom Felsen still schaut einsam der Greis.

Wie kam der Pfeil schon an sein Ziel,
wenn jetzt der Bogen erst gespannt?
Ist denn das Ende immer dort,
wo ich begann?

 

 

(S.114)

Die Augen sehen im Dunkel,
wie der Wind, ruhelos und voller Kraft
die Schritte im Staub verweht,
als sei das Leben ein Nichts.

 

 

(S.144)

Unklar wird es bleiben,
wo des Freundes Haus.
Unauffindbar
ist er dem Suchenden.
Wäre auch das ganze Weltall ausgeleuchtet,
er wäre nicht dort.

Wie ein Blitz kann es geschehen,
oder wie ein weiches Erwachen,
daß du ihn schaust,
wie ein fallendes Blatt,
das im Licht verglüht.

 

 

(S.154)

Die Liebe scheint wie die Sonne.
Manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar.
Aber sie ist immer da.

 

 

(S.167)

Da zu sein, ohne etwas zu wollen, ist die Erlösung.
Der Wind, das Meer, die sich versenkende Sonne und
jene unendliche Weite, in der Himmel und Erde
verschmelzen.

Innen verstummen die Worte.
Alles fließt, leuchtet und singt fraglos,
voll Frieden und Geborgenheit.
Der Atem der Wirklichkeit erfüllt den Raum.

 

 

(S.171)

Ich bin

Du brauchst keine Probleme zu lösen,
du brauchst nichts zu erreichen.
Du brauchst nichts zu werden
und nichts Bestimmtes zu sein.
Es ist genug, daß du bist.

Dein Sein hält alles in den Händen.
Alles geht aus ihnen hervor.
Alles fällt in sie zurück.

Zu sein ist das Wesen von allem.
Alles sind Gestalten und Blüten des Seins.

Ich bin ist das Empfinden, zu sein.
Ich bin ist in allem, das ist.
Vor allen Knospen, nach allen Früchten
ist es da.

Ich bin: der See des Bewußtseins,
ohne Form, ohne Zeit, ohne Sinn.